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Kirchliche Überlieferung

Maria und Ephesus

Die Bibel sagt nicht ausdrücklich, dass Maria in Ephesus lebte. Der Glaube daran entstand aus Jesu Auftrag an den geliebten Jünger, für seine Mutter zu sorgen, und aus der Überlieferung, Johannes habe seine letzten Jahre in Ephesus verbracht. Das Haus der Jungfrau Maria bei Selçuk ist heute ein Ort des Gebets und der Erinnerung. Es steht für eine ehrwürdig bewahrte Glaubenstradition, nicht für historische Gewissheit.

Maria und Ephesus
Bild: Yair Haklai · CC BY-SA 4.0

Der biblische Ausgangspunkt liegt unter dem Kreuz. Jesus vertraut seine Mutter dem geliebten Jünger an und bittet den Jünger, Maria als Mutter aufzunehmen. Johannes 19,26–27 sagt nicht, wo Maria später lebte. Doch die Aufnahme in sein Haus wurde zu einer eindrücklichen Szene des Vertrauens, über die die Kirche weiter nachdachte.

Die Verbindung mit Ephesus beruht auf der alten kirchlichen Erinnerung, Johannes habe dort seine letzten Jahre verbracht. Einige Traditionen folgern, Maria sei mit ihm in die Region gekommen. Das kleine Steinhaus bei Selçuk, das im 19. Jahrhundert neu beachtet wurde, entwickelte sich zu einem katholischen Wallfahrtsort. Ein lückenloses Dokument aus dem ersten Jahrhundert, das das Gebäude als Marias Haus ausweist, gibt es jedoch nicht.

Historisch gesichert ist eine andere marianische Bedeutung von Ephesus: Das Konzil von 431 bestätigte im Streit um die Person Christi den Titel Theotokos, Gottesgebärerin. Benedikt XVI. verband in seiner Predigt am Heiligtum 2006 dieses Konzil mit der Szene unter dem Kreuz. Der Ort lässt sich deshalb als Begegnung dokumentierter Kirchengeschichte und verehrter katholischer Überlieferung verstehen, ohne beides gleichzusetzen.